Enzklösterle II+III: Lehre an drei Orten

08.04.2024 von Lars Keller
Lehre
Samstag und Sonntag der Super-Kombi Enzklösterle teilen sich die Lehrgänge und drei Orte auf: Das Breitensportseminar findet in der Sporthalle statt, die Turnierleiter-Fortbildung im Schwarzwaldhof und die restlichen Lehreinheiten in der Festhalle. Aber traditionell geschieht dies erst nach der überfachlichen Rhetorik-Einheit in der Festhalle.

Wenn bereits am Samstagmorgen um 9 Uhr die Festhalle gut gefüllt ist, dann bedeutet das, dass Peter E. Brandt im Haus ist. Der Tübinger Fachmann für angewandte Rhetorik, Führung und Kommunikation begeistert Jahr für Jahr die Teilnehmenden des Lehrgangswochenendes. „Level of Energy - das ist ja eine tolle Vorlage für den frühen Samstagmorgen“, startete Brandt direkt mit Sprachübungen zum Wachwerden. Nach Zungenbrechern und dem Umgang mit Eigen- und Fremdbild, ging er noch auf die Unterschiede zwischen Feedback- und Kritikgespräche und deren Bestandteile ein.

In der Festhalle

Nachdem sich nun die Lehrgänge aufteilten, startete DTV-Verbandstrainerin und TBW-Landestrainerin Dagmar Beck mit ihrer Lehreinheit zum Jahresmotto „Level of Energy“. Und nachdem am Vortag die D- und C-Klasse thematisch dran waren, durfte sie die nächste Entwicklungsstufe eines jungen Tanzpaars präsentieren: die B-Klasse. Dafür hatte sie mitgebracht Vincenzo D’Emma/Sofia Trumpold. Anhand des jungen Paars zeigte sie die für sie wichtigen Punkte im Training und auch ihre Perspektive als Wertungsrichterin. „Einfache Phrasierungen reichen mir in der B-Klasse“, führte Beck aus. Auch achte sie auf Schwünge: „Sehe ich Pendelschwünge, sehe ich lineare Schwünge?“. Und natürlich, passend zum Jahresmotto, möchte sie kraftvolle Schritte mit Abdruck sehen. Das Haltungsbild muss noch nicht perfekt sein, in der B-Klasse genügt ihr ein akzeptables Haltungsbild.

Bundesjugendtrainer Standard Sven Traut wurde bei seinem Enzklösterle-Debüt unterstützt von den TBW-Kaderpaaren Tomas und Violetta Fainsil, Christian Pop/Celine Sejdijaj und Konstantin Literski/Khrystyna Shugurova. Hier sah man im direkten Vergleich mit den Vizeweltmeistern Fainsil ein bereits voll ausgereiftes Paar, das bereits sehr erfolgreiche aber noch wachsende Standardpaar Pop/Sejdijaj und die 10-Tänzer Literski/Shugurova. Alle drei Paare auf Top-Niveau aber mit doch sichtbaren Unterschieden. „Energielevel darf nicht mit Muskelkraft verwechselt werden“, war eine Botschaft von Traut. „Muskelkraft ist für die Haltekraft da und nicht für Bewegung“, führte er aus. Thema am Samstag und dann auch am Sonntag war auch „Big Top“ - übersetzt: Zirkuszelt - und wie das Paar die gedachte Mitte findet, sich verbindet, um den optimalen Energiefluss möglich zu machen. Er demonstrierte dies mit zahlreichen Übungen an den drei Paaren.

Rüber in die Latein-Sektion ging es mit DTV-Verbandstrainerin Manuela Faller. Sie konnte bei den Demo-Paaren ebenfalls qualitativ aus dem Vollen schöpfen. So konnte sie mit den Dritten der Deutschen Meisterschaft Razvan Dumitrescu/Jacky Joos, den DM-Finalisten Arthur und Oona Ankerstein sowie Vlad-Alexandru Visan/Nicole Sokolow, den dritten der TBW-Landesmeisterschaft arbeiten. In ihren Lectures ging es Faller um den grundsätzlichen Umgang mit Energie. „Energy-Flow und deren Differenzierung, damit ich Body-Flow bekomme“, erklärte Faller, denn nur dadurch könne man als guter Tänzer entscheiden, wie Energie eingesetzt werde, um die Musik im Körper zu differenzierend und zu vertanzen.

Um Medizin im tanzsportlichen Kontext ging es bei der ehemaligen Bundes-Lehrwartin Julia Luckow. Sie stellte als Fall einen akuten Notfall um Turnier vor und wie damit umzugehen sein. Eine wichtige Voraussetzung, um für so einen Fall vorbereitet zu sein: Ersthelfer vor Ort in der Turnierstätte. Weiter ging Luckow darauf ein, welche Verletzungen es im Tanzsport gegeben kann und wie man hier auch präventiv in Training darauf eingeht. In ihrer Reise durch die Medizin, stets mit Bezug zum Tanzsport, ging sie auch auf die Anatomie ein und Fußfehlstellungen. Nach der überfachlichen Lecture gab es viel positives Feedback zu hören: „Das Thema kann ja richtig interessant sein“.

In der Sporthalle

Die Sporthalle ist die Location für das Breitensportseminar. Jedes Jahr gern gesehene Gäste sind der DTV-Beauftragte für Discofox Andreas Krug und Martina Mroczek-Krug. Und natürlich gingen ihre Lehreinheiten um den Discofox - in diesem Jahr um Slow Dance mit Styling Varianten. Krug differenzierte in niederen, mittleren und hohen Energie-Level. Beim niederen Energielevel ist das Tanzen eher neutral und stationär, der Krafteinsatz entsprechend leicht und smooth. Beim mittleren Level wird es bereits fließend von den Bewegungen mit Raumgewinn und progressiven Elemente. Beim höheren Level kommt die Rotationsenergie dazu und abgestoppte Bewegungen mit Richtungsänderungen. 

Bei den Trends im Tanzsport war ebenfalls ein altbekanntes Gesicht in Enzklösterle am Start. Hier stelle Junghans den American Smooth vor, der Figuren aus den klassischen Standardtänzen mit offenen Figuren kombiniert. Für Junghans eine gute Möglichkeit auch technische Fehler zu ermöglichen, die von der reinen Lehre nach Lehrbuch abweichen und damit dennoch im Breitensport abwechslungsreiches Tanzen anbieten zu können.

Und mit Anita Pocz war ebenfalls wieder ein lange bekanntes Gesicht in der Sporthalle zu Gast, um mit den Lehrgangsteilnehmer:innen zum Tanzen mit Kindern einzuladen. Den Abschluss in der Sporthalle bildete am Sonntag dann noch die DTSA Pflichtschulung mit Junghans. TBW-Breitensportwartin Maritta Böhme konnte in diesem Jahr zu ihrem großen Bedauern nicht in Enzklösterle sein, da sie sich einer geplanten Fußoperation unterziehen musste. So konnte sie auch bei der Wahl dem DTV-Tanz des Jahres 2024 selbst nicht dabei sein - aber es wurde trotzdem ein Tanz gefunden (siehe separater Bericht).

Im Schwarzwaldhof

Der Schwarzwaldhof steht für die Fortbildung der Turnierleiter. Samstags wurden die Teilnehmenden dieses Lehrgangs rhetorisch von Peter E. Brand geschult, der ja davor bereits zum Warm Up in der Festhalle für alle referierte.

Am Sonntag referierten TBW-Lehrwart Jörg Weindl und Nathalie Dres über Neuerungen in der Turnier- und Sportordnung (TSO) und Fallstricke die sich aus der Praxis ergeben und auch in der Turnierkontrolle aufgefallen sind.

Der Abschluss

Nach drei sonnigen und ereignisreichen Tagen, neigte sich auch die 36. Super-Kombi Enzklösterle ihren Ende zu. TBW-Präsident Wilfried Scheible bedankte sich bei den Hauptorganisatoren des Lehrgangs-Wochenende, also bei TBW-Sportwartin Petra Dres, bei Ilka Scheible aus der Geschäftsstelle und bei Jörg Weindl. Ein großer Dank galt außerdem allen Referent:innen für die abwechslungreichen Lectures und natürlich allen Demopaaren. Enzklösterles Bürgermeisterin Sabine Zenker bedankte sich nochmals beim TBW und allen Gästen für den Besuch im Heidelbeerdorf Enzklösterle. „Kommen Sie wieder“, lud sie direkt für die 37. Super-Kombi ein, die wieder traditionell am Wochenende nach Ostern in 2025 stattfinden wird. Und Bürgermeisterin Zenker ließ es sich auch nicht nehmen, beim abschließenden Abbau selbst mit Hand anzulegen. Das ist Bürgernähe und Bodenständigkeit. Der TBW sagt gerne: Wir sehen uns im nächsten Jahr wieder in Enzklösterle!

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